Christian Gold - Mitglied des Rates der Bundeststadt Bonn

Aktuell

21.01.2016 

Schließung von 3 Notfallpraxen in Bonn: Koalition warnt vor Auswirkungen des Pilotprojektes der Kassenärztlichen Vereinigung


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Im Rahmen eines Modellversuches plant die Kassenärztliche Vereinigung Düsseldorf den Bezirk Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen zur Pilotregion für ihre im Februar 2015 beschlossene Notdienstreform machen. Im Zuge dessen sollen die Notfallpraxen in Bad Godesberg, Beuel und Hardtberg geschlossen und stattdessen ein zentraler Versorgungsstandort festgelegt und etabliert werden.

Für Bonn und die gesamte Region bedeutet dies eine deutliche Verschlechterung der Notdienstversorgung, die besonders zu Lasten der alten oder kranken Bevölkerung gehen wird – in Zeiten des Demografischen Wandels ein absolutes Unding.

„Eine zentrale Notdienstpraxis ist für die gesamte Region und Bonn als international gefragter Gesundheitsstandort schlichtweg zu wenig. Die jetzigen drei Notfallpraxen versorgen nicht nur Bonn sondern auch das Umland im Rhein-Sieg Kreis, bei Beibehaltung der jetzigen Standorte sind Effizienz und Auslastung gewährleistet, eine Reduzierung könnte hingegen fatale Folgen haben“, so Dr. Annette Standop, sozialpolitische Sprecherin und Prof. Dr. Detmar Jobst, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen im Rat der Stadt Bonn. „Eine flächendeckende Notdienstversorgung muss sichergestellt werden, es darf nicht sein, dass gesundheitlich eingeschränkte Bürgerinnen und Bürger in den Notdienstzeiten nachts und am Wochenende unnötig lange Versorgungswege und Wartezeiten auf sich nehmen müssen“.

„Die gesundheitliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in den einzelnen Stadtteilen wird durch die Umstrukturierungsmaßnahmen deutlich verschlechtert. Statt weite Wege auf sich zu nehmen, werden viele Bürgerinnen und Bürger notgedrungen auf die Notfallambulanzen der Krankenhäuser ausweichen müssen – hier werden dann Ressourcen in Anspruch genommen, die für dringende Notfalleinlieferungen und Eingriffe benötigt werden. Lange Wege, deutlich verlängerte Wartezeiten und eine Überlastung der Krankenhausambulanzen dürfen wir so nicht hinnehmen“, ergänzt Zehiye Dörtlemez, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Ratsfraktion.

„Der Beschluss der KV bedeutet einen Rückschritt für die medizinische Versorgung der Bonner Bürgerinnen und Bürger“, so Alfred Giersberg, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Ein Modellversuch macht meiner Meinung nach nur Sinn, wenn etwas verbessert werden soll, dies ist für Bonn nicht zu erwarten. Bei allem Spar- und Re-formdruck müssen das Gemeinwohl und damit der Mensch immer im Vordergrund stehen.“

Die Bemühungen des Rates, die Kassenärztliche Vereinigung zum Erhalt der Notdienstpraxen in Bad Godesberg, Beuel und Hardberg zu bewegen, blieben bisher erfolglos. Die Organisation des ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Bereich Nordrhein ist in der Zuweisung ihrer Aufgaben und Kompetenzen durch den Bundesgesetzgeber der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein zugeordnet. Der Rat der Stadt Bonn kann hier nur an die Vernunft der Verantwortlichen appellieren, keine Verschlechterungen auf dem Rücken der Patienten herbeizuführen, das letzte Wort hat jedoch die Kassenärztliche Vereinigung.