Christian Gold - Mitglied des Rates der Bundeststadt Bonn

Aktuell

20.10.2016 

Kinderarmut in Bonn

Kinderarmut in Bonn liegt bei über 20 Prozent und betrifft somit mindestens jedes 5. Kind.

Leider wird das Thema Kinderarmut weniger von der Öffentlichkeit betrachtet als die Altersarmut. Dies liegt vermutlich daran, dass sich viele Menschen ihr halbes Leben lang vor Altersarmut fürchten und somit das Thema im Mittelpunkt steht, während Kinder- und Elternarmut eher plötzlich und unerwartet eintrifft.

Kinderarmut hat negative Folgen, insbesondere auf folgende Bereiche:

  • Bildungs- und Zukunftschancen
  • Gesundheitliche Entwicklung
  • Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben

Bei Familien mit Bezug von Grundsicherung, Einkommen knapp über der Grundsicherung oder Alleinerziehenden ist die Wahrscheinlichkeit der Kinderarmut besonders hoch. Hat eine Familie mehrere Kinder, wird die Situation regelmäßig schlechter.

Insbesondere in Bonn, mit hohen Lebenserhaltungskosten, sind auch besonders viele Familien mit geringen Einkommen von Armut betroffen, da ein Großteil des Einkommens für die Wohnungsmiete verwendet werden muss.

Der Kauf von passender Kleidung und Schuhen bei wachsenden Kindern oder die Einschulung, mit notwendigem Kauf von Schulmaterial, Schulranzen und Schultüte oder die Teilnahme an Klassenfahrten stellen für solche Familien bereits große Herausforderungen dar.

Um Kinder- und Elternarmut zu reduzieren, bedarf es Maßnahmen von Bund, Land und Kommune, diese sind insbesondere:

  • Maßnahmen Eltern in Arbeit zu bringen
  • Kindergeld und Kinderzuschlag bedarfsgerecht erhöhen
  • Bildung-und Betreuung fördern (Kita, Schule, OGS)
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern
  • Wohnungsmarkt verbessern

Was wird in Bonn beispielsweise getan:

  • Sozialgestaffelte Kita- und OGS-Beiträge:
    Für Einkommen bis 15.000 Euro werden keine Beiträge erhoben.
    Familien mit geringem Einkommen zahlen geringe Beiträge.
  • Geschwisterregelung:
    Reduzierung von Kita- und OGS-Beiträgen von parallel betreuten Geschwisterkindern.
  • Bonn-Ausweis:
    Kostenloses Mittagessen in Kita oder Schule, kostenfreies Schulmilchfrühstück an Grundschulen, Vergünstigungen in Schwimmbädern, ÖPNV, Musikschule, Stadtbücherei und anderen städtischen Einrichtungen.

Es ist erschreckend, dass in Deutschland und Bonn so viele Kinder in Armut leben müssen. Gerade, da unser Land auf Kinder und Wachstum angewiesen ist, stellt dies ein absolut falsches Signal dar. Kinder sollen in Deutschland in einem geborgenen Zuhause ohne Armut aufwachsen können und eine bestmögliche Bildung erhalten.

In Bonn wurde ein qualitativ hohes Kinderbetreuungsangebot mit sozial gestaffelten Beiträgen aufgebaut. Dies muss bedarfsgerecht weiter ausgebaut werden.

Es sollte nicht sein, dass ein Großteil des Einkommens von Geringverdienenden für die Miete ausgegeben werden muss. Um die Situation des Wohnungsmarktes zu verbessern, muss mehr Wohnraum geschaffen werden. Hierzu ist es dringend notwendig, dass Bebauungspläne und Bauanträge schneller bearbeitet werden. Es mangelt nicht an Bauvorhaben oder Investoren, sondern an einer zügigen Bearbeitung und politischer Beschlussfassung“, so Christian Gold.